Lutz R. Ketscher - Biographie u. Werkverzeichnis / Biography and catalog raisonné

1 0 1 nehmen und dann von ihm einige Aufnahmen machte. Schließlich zeigte er die Bilder der Kollegin, die damit sehr zufrieden zu sein schien. „Sehr gut!“, meinte sie. „So habe ich es mir vorgestellt. In der altmodischen Kleidung sehen Sie aus, als gehörten Sie zum Inventar. Selbst Ihr grauer Bart und die Falten im Gesicht passen in diesen Raum. Das wäre ja Ihr Arbeitsplatz. Wenn Sie wollen, können Sie Anfang nächster Woche anfangen. Und bringen Sie vorher Ihre Privatangelegenheiten in Ordnung.“ Was sollte er in Ordnung bringen?, fragte sich Olaf – es gab da nichts zu ordnen. „Na gut“, sagte er. „Soll ich mich am kommenden Montag melden? Vielleicht um zehn Uhr vormittags?“ „Montag wäre recht. Doch kommen Sie um ein Uhr mittags. Die Operateure haben noch etwas vorzubereiten.“ „Was für Operateure?“, fragte Olaf. „Mein Gesundheitszustand ist in Ordnung; das Zeugnis liegt Ihnen ja vor.“ „Es geht nicht um Ihre Gesundheit, sondern um das Drehbuch.“ Die Angestellte zögerte kurz. „Wir müssen sicher sein, dass Ihr Gedächtnis den doch recht umfangreichen Stoff behält.“ * * * Als Olaf am Montag nächster Woche pünktlich in der Burg ankam, wurde er in einen Raum geführt, der wie ein zahnärztliches Behandlungszimmer aussah. Zwei in blaue Kittel gekleidete Männer mit weißen Hauben erwarteten ihn. „Was haben Sie vor?“, fragte Olaf mit etwas unsicherer Stimme, als man ihn bat, auf dem mit schwarzem Kunststoff überzogenen Stuhl Platz zu nehmen und ihm die Unterarme an den Lehnen anschnallte. „Wir wollen Ihnen nur die Aufnahme des Textes etwas leichter machen“, erklärte der ältere der beiden als Ärzte gekleideten Männer. Er griff in seine Tasche und holte die Datenrolle heraus, die Olaf schon gezeigt worden war – das Drehbuch. „Wir spielen die von Ihnen benötigte Information in Ihr Gedächtnis ein. Es ist ein neues Verfahren, das man seit Neuestem im Militär einsetzt. Es ermöglicht den Rekruten, alles für ihre künftige Tätigkeit Gebrauchte innerhalb kurzer Zeit aufzunehmen. Im nächsten Jahr wird diese Methode auch in den Schulen eingeführt.“ Olaf hörte ein Zischen und merkte erst danach, dass man ihm einen Injektionsspray verabreicht hatte. Und dann zog der Ältere ein auf einem Bügel befestigtes, in einen Fokus auslaufendes Gerät über Olafs Kopf – und auf einmal spürte dieser nichts mehr, sondern hatte What should he sort out? Olaf wondered—there was nothing to sort out. “All right,” he said. “Should I contact you next Monday? At ten o’clock in the morning perhaps?” “Monday would be fine. But come at one o’clock in the afternoon. The surgeons have something to prepare.” “What kind of surgeons?” Olaf asked. “My health is okay; the medical report is available to you.” “It’s not about your health, it’s about the script.” The employee hesitated for a moment. “We have to be sure that your memory retains the quite extensive material.” * * * When Olaf arrived punctually at the castle the next Monday, he was taken to a room that looked as if dental treatments took place there. Two men in blue coats with white hoods were waiting for him. “What are you going to do?” Olaf asked in a slightly uncertain voice, when requested to sit down on the black, plastic-covered chair and strap his forearms to the armrests. “We just want to make it easier for you to absorb the text,” said the older of the two men dressed as doctors. He reached into his pocket and pulled out the data roll Olaf had already been shown—the “script.” “We put the information you need in your memory. It’s a new procedure that has recently been used in the military. It allows the recruits to take in everything for their future assignment in a short time. Next year, this method will also be introduced in schools.” Hearing a hiss, Oliver realized that he had been given an injection spray. And then the older man pulled a device attached to a bracket and tapering to a focus over Olaf’s head—and suddenly he didn’t feel anything anymore, but only had the strange feeling that something was moving under the top of his skull. It did not hurt, but it caused a feeling of deep fatigue. And darkness spread over him in the end—a darkness that washed over his whole body. *** Olaf did not know how long his unconsciousness had lasted. The first thing he felt was a scratching on his neck. It was the rough fabric of his jacket. Where was he? Everything seemed ok—the surroundings were familiar. Above his head the star, next to it the globe... and right next to it the copper-colored knight’s armor ...It was the one he had worn at the end of his term of service...

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