Lutz R. Ketscher - Biographie u. Werkverzeichnis / Biography and catalog raisonné

1 3 0 existiert aus sich heraus, sie braucht keine Hilfe von ihrem Bruder, der Sonne, sie ist sich selbst genug. So verwundert es nicht, dass die Mondgöttin besonders auch für Frauen, Mütter und deren Kinder zuständig ist – sie regelt den Monatszyklus und die Fruchtbarkeit, sie reinigt das Blut, sie ist zuständig für den erholsamen Schlaf und die süßen Träume, sie wandelt täglich ihre Figur von schmal und schlank zu breit und rund – und ist doch immer schön. Auch für den Wald, den in allen Schattierungen zumeist dunklen, geheimnisvollen, von Tier- und Geistwesen belebten Wald ist die Mondgöttin zuständig, für ihn erstrahlt sie in den besonderen Nächten, in denen sich Menschen, Geistwesen wie die armenischen Devs und scheinbar Tote treffen und verbinden können. In den Mythologien der Völker werden trotzdem die meisten Geschichten von der (oder dem) Sonne erzählt, denn Sonnenlicht ist für jeden Organismus überlebensnotwendig. Aber die Mondgöttin braucht nicht das grelle Rampenlicht, den Ruhm, das männliche Zurschaustellen und Auftrumpfen – ihr genügt, dass die (der) Sonne sie immer um ihren weltumspannenden, verzaubernd schönen Sternenmantel beneidet und dass alle Liebenden ihr Licht und ihr gnädiges Dunkel bevorzugen und ihnen unzählbare Gedichte, Lieder – und Bilder – widmen. Auch das leistet die Erzählung vom „Mondlicht“ des Künstlers Ketscher: Sie schickt uns mit dem nur scheinbar eingefrorenen Augenblick auf die fast vollständig von Hinterlassenschaften einer nicht mehr überleb-baren Zivilisation geprägte Welt einen Weckruf, eine Erinnerung, und eine Hoffnung darauf, dass wir, unsere Kinder und nachfolgende Generationen den Mond wieder als Göttin entdecken und damit wieder ein Teil der kosmischen Harmonie werden können. Und schenkt uns damit gleichzeitig das Versprechen, das Licht aus unserem Inneren wieder strahlen zu sehen. Ich genieße die Freiheit meiner Fantasie, die mir der Künstler schenkt, der mir Geschichten erzählt, der meine Gedanken aus einer scheinbar so realen Welt, einer selbstverständlich auf künstliches Licht angewiesenen Welt, in dieses aus sich selbst heraus und selbstverständlich und ewig scheinende Mondlicht schickt. Und so höre ich die Wellen träge plätschern und ich sehne mich danach, in dem leise schaukelnden Boot, in der von warmem Kerzenlicht erhellten Kajüte einzuschlafen. Meine Träume weiß ich behütet von der Mondgöttin Anahit, die mir in dieser Vollmondnacht die Grenzen meiner Welt und meiner Vorstellungskraft öffnet und mich auf die Suche nach immer mehr Geschichten und Bildern schickt. Aber zunächst bin ich angekommen – in der Erzählung vom „Mondlicht“. envies her for her globe-spanning, enchanting, beautiful starry gown, and that all lovers prefer her light and gracious darkness, and devote innumerable poems, songs— and pictures— to her. The story of “Moonlight” by the artist Ketscher also affords this: With the only apparently frozen view to the world shaped nearly completely by the legacies of a civilization no longer able to survive, she sends us a waking call, a reminder, and a hope that we, our children, and future generations will discover the moon again as a goddess and thus be able to become a part of the cosmic harmony again. And at the same time gives us the promise to see the light radiate from within us again. I enjoy the freedom of my fantasy, which the artist gives me, who tells me stories, who sends my thoughts out of a seemingly real world, of a world naturally dependent on artificial light, into this moonlight, which shines out from itself, and as a matter of course, and eternally. And so I hear the waves lapping lazily and I long to fall asleep in the softly rocking boat in the cabin lit by warm candlelight. My dreams are protected by the moon goddess Anahit, who opens the borders of my world and my imagination on this full moon night and sends me on the search for more and more stories and pictures. But first I arrived—in the story of “Moonlight.” Literarische Betrachtungen zu den Werken von Lutz R. Ketscher | Literary Observations on the Works of Lutz R. Ketscher

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