Lutz R. Ketscher - Biographie u. Werkverzeichnis / Biography and catalog raisonné

7 4 nunmehr westdeutschen Ausstellungen auf. Im Osten achtete man gewohnheitsmäßig auf den Inhalt, hier eher auf die formalen und unterhaltenden Aspekte der Kunst. Nicht weil es notwendig war, sondern um den neuen Kunstbetrieb kennenzulernen, war ich ungefähr drei Jahre lang Mitglied im VBK-Oberfranken. Gelebt haben wir von Aufträgen der „Gesellschaft für Münzedition“ in München. Für sie lieferte ich Entwürfe für Sammlermedaillen. Hauptsächlich aber konnte ich mich jetzt breitgefächert und entspannt meinen künstlerischen Ambitionen widmen. Anfangs war auch hier das Portrait als unmittelbarer Bezug zur Realität wichtig. Doch sollten in allen Bildern die „Gedanken frei sein“. Es gibt da ein Buch mit dem Titel „Die Magie der Dinge“, das gut umschreibt, was die Ambitionen sind: Es ist das ernste oder heitere Spiel mit den realen, den historischen und den fantastischen Versatzstücken. 1993 kauften wir eine Immobilie in Schwarzenbach. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten konnten wir uns schnell etablieren. Im Prinzip war Schwarzenbach eine Improvisation. Unser Glück war, dass wir von Anfang an auf freundliche Hilfe und kollegiale Unterstützung stießen. Und dank dieser uneigennützigen Unterstützung war es mir auch bald möglich, durchgehend freiberuflich tätig zu sein. Wir fühlten uns bald wohl, die kleine Stadt konnte durchaus mit einigen Besonderheiten aufwarten. Jean Paul wurde da geboren und hat eine eigene Schule aufgebaut. Dann gab es da Frau Dr. Erika Fuchs, die begnadete Übersetzerin der Donald Duck- und Mickey Mouse-Hefte. Leider habe ich sie nie persönlich kennengelernt! Nach den „Osterfahrungen“ waren allein die bedingungslosen und vielfältigen Ausstellungsmöglichkeiten schon herausragend. Die Mitgliedschaft in einem Künstlerverband war freiwillig und nicht obligatorisch. Und die freie Beteiligung am Markt ist für mich auch eine der wichtigsten Voraussetzungen einer demokratischen Kunstrezeption. Meine bereits vor dem Fall der Mauer geplante Ausstellung in der Galerie am Odeonsplatz in München wurde nach zwei Jahren tatsächlich Realität: Sie fand vom 9. Oktober bis 25. November 1990 statt. Die Galerie war ein optimaler Einstieg in die doch ganz anders strukturierte bürgerliche Kunst- und Geschäftswelt der Bundesrepublik. Das hieß, die vielfältigen (und auch verlockenden) gesellschaftlichen und kommerziellen Angebote auszuprobieren, zu nutzen und den einen oder anderen Reinfall zu verkraften. Für etwa drei Jahre war ich ja im Verband Bildender Künstler in Oberfranken. Editions”) in Munich. I supplied them with designs for collectors’ medals. Mainly, however, I was now able to devote myself to my artistic ambitions in a wide-ranged and relaxed manner. In the beginning, too, the portrait was important as an immediate reference to reality here. But in all pictures the “thoughts were to be free.” There is a book entitled Die Magie der Dinge (The Magic of Things) that well paraphrases what ambitions are: The serious or cheerful playing with the real, the historical and the fantastical set pieces. In 1993 we bought a property in Schwarzenbach. After initial teething problems, we were able to establish ourselves quickly. In principle, Schwarzenbach was an improvisation. Our luck was that we encountered friendly help and collegial support right from the start. And thanks to this unselfish assistance, it was soon possible for me to work as a freelancer all the time. We soon felt comfortable; the small town could certainly come up with some special features. Jean Paul was born here and had his own school built in the town. Then there was Dr. Erika Fuchs, the gifted translator of the Donald Duck and Mickey Mouse comic books. Unfortunately, I never met her personally! After the “Easter experiences,” the unconditional and varied exhibition possibilities alone were already outstanding. Membership in an artist association was voluntary and not compulsory. And for me free participation in the market is one of the most important prerequisites for a democratic reception of art. My exhibition, which had already been planned before the fall of the Berlin Wall at the Galerie on Odeonsplatz in Munich, actually became reality two years later. It took place from October 9 to November 25, 1990. The Galerie was an optimal introduction to the quite differently structured bourgeois art and business world of the Federal Republic. That meant trying out the various (and also enticing) social and commercial offers, making use of them and coping with one or the other flop. For about three years I was in the Association of Visual Artists in Upper Franconia. But I could not play a part in it, even if I wanted to. I lived too far away from the headquarters in Bamberg. The local proximity of the Kunstverein Hof (Art Association of Hof) was already more favorable for me as a member and exhibiting artist. In the year 2000 I was able to organize one of my most extensive exhibitions there.

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